2023
Projekt NiersCon
Wasser in der Landschaft halten, statt es nur schnell abzuleiten
Das Projekt NiersCon beschäftigt sich mit einer Frage, die durch den Klimawandel immer wichtiger wird:
Wie kann Wasser nach Regenfällen länger in der Landschaft gehalten werden, ohne den Hochwasserschutz zu beeinträchtigen?
Gemeinsam mit dem Kreis Viersen untersucht der Wasser- und Bodenverband Mittlere Niers, wie das bestehende Grabensystem künftig intelligenter genutzt und gesteuert werden kann. Ziel ist es, Wasser in niederschlagsreichen Zeiten gezielt zurückzuhalten und gleichzeitig ausreichend Kapazitäten für Starkregenereignisse zu schaffen.
Vom Entwässerungssystem zum Wasserspeicher
Viele Gräben und Entwässerungssysteme in der Region wurden ursprünglich dafür gebaut, Wasser möglichst schnell abzuleiten.
Heute zeigt sich jedoch immer deutlicher: Neben Starkregen nehmen auch längere Trockenphasen zu. Dadurch verändert sich der Umgang mit Wasser grundlegend.
Das Projekt NiersCon setzt genau an diesem Punkt an. Statt Wasser ausschließlich abzuleiten, soll das regionale Grabensystem künftig auch dazu beitragen:
- Wasser länger in der Fläche zu halten
- Grundwasser besser zu stabilisieren
- Böden feuchter zu halten
- Landschaften widerstandsfähiger gegen Trockenheit zu machen
Technische und naturnahe Lösungen
Im Rahmen des Projekts werden verschiedene Maßnahmen untersucht und erprobt. Dazu gehören sowohl technische als auch naturnahe Ansätze.
Unter anderem kommen zum Einsatz:
- steuerbare Kippwehre
- Sensorik zur Überwachung von Wasserständen und Bodenfeuchte
- naturnahe Rückhaltemaßnahmen durch den Einbau von Totholz innerhalb des Grabensystems
Die eingesetzten Bauwerke ermöglichen es, Wasserstände gezielt an Wetterlagen und Flächennutzungen anzupassen. So kann Wasser in trockenen Zeiten länger zurückgehalten werden, während bei Starkregen weiterhin ausreichend Abflusskapazität vorhanden bleibt.
Digitale Steuerung des Gewässersystems
Ein besonderer Schwerpunkt von NiersCon liegt auf der digitalen Datenerfassung und Steuerung.
Sensoren liefern kontinuierlich Informationen zu Wasserständen und Bodenfeuchte. Für die Datenübertragung nutzt das Projekt die sogenannte LoRaWAN-Technologie („Long Range Wide Area Network“). Dieses energieeffiziente Funknetz ermöglicht es, Messdaten auch über größere Entfernungen zuverlässig zu übertragen und das selbst in abgelegenen Bereichen entlang der Gewässer. Dadurch können Wasserstände und Bodenfeuchte nahezu in Echtzeit überwacht werden. Die Daten werden dann zentral ausgewertet und helfen dabei, das Grabensystem besser zu verstehen und gezielter zu steuern.
Dadurch entsteht Schritt für Schritt ein genaueres Bild:
- Wie bewegt sich das Wasser im Verbandsgebiet?
- Welche Maßnahmen sind besonders wirksam?
- Wie lassen sich Gewässer künftig flexibler an Wetterextreme anpassen?
Ein Projekt zur Klimaanpassung
NiersCon ist Teil eines Förderprogramms des Bundes zur Anpassung an den Klimawandel. Das Projekt zeigt beispielhaft, wie Wasserwirtschaft künftig aussehen kann: vernetzter, datenbasierter und stärker auf den natürlichen Wasserrückhalt ausgerichtet.
Die gewonnenen Erkenntnisse sollen langfristig dabei helfen, das Gewässersystem im Verbandsgebiet weiterzuentwickeln und besser auf zukünftige Wetterextreme vorzubereiten.
Weitere Informationen zum Projekt finden Sie auf der Website des Kreises Viersen.