2022
Renaturierung Schwarzbruch in Grefrath
Mehr Raum für Wasser und Natur
Im Bereich Schwarzbruch in Grefrath wurde ein Abschnitt des Gewässers 06.00 – auch Hauptgraben II genannt – naturnah umgestaltet. Das Projektgebiet liegt östlich von Grefrath in unmittelbarer Nähe der Ostumgehung und umfasst einen rund 390 Meter langen Gewässerabschnitt innerhalb des Landschafts- und Naturschutzgebiets „Niersniederung“ beziehungsweise „Grasheide und Mülhausener Benden“.
Hintergrund der Maßnahme war die frühere Nutzung vieler Gewässer am Niederrhein: Zahlreiche Bach- und Grabensysteme wurden über Jahrzehnte begradigt und technisch ausgebaut. Dadurch gingen natürliche Strukturen und Lebensräume verloren. Mit der Renaturierung sollte das Gewässer wieder naturnäher entwickelt und ökologisch aufgewertet werden. Gleichzeitig verbessert eine solche Umgestaltung langfristig auch die Wasserführung und die Entwicklung des gesamten Gewässerraums. Darüber hinaus entsteht zusätzlicher Retentionsraum, in dem Wasser bei starken Niederschlägen vorübergehend zurückgehalten werden kann. So trägt die Maßnahme auch dazu bei, Hochwasserspitzen abzumildern und die umliegenden Bereiche zu entlasten.
Naturnahe Entwicklung des Gewässers
Für die Maßnahme stand eine rund 40.000 Quadratmeter große Fläche zur Verfügung. Dadurch konnten die Gewässerläufe deutlich aufgeweitet und neugestaltet werden. Ziel war es, wieder natürlichere Strukturen zu schaffen und neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere entstehen zu lassen.
Im Zuge der Arbeiten wurden:
- neue Gewässerverläufe angelegt
- Uferbereiche abgeflacht
- steile Böschungen zurückgebaut
- Gewässerabschnitte naturnäher gestaltet
Außerdem wurde das im Plangebiet liegende Gewässer 06.06 in die Maßnahme eingebunden.
Ein wichtiger Bestandteil der Renaturierung war zudem der gezielte Einbau von Totholz. Totholz erfüllt in naturnahen Gewässern eine wichtige Funktion: Es beeinflusst die Strömung, fördert die natürliche Ausformung des Gewässers und schafft unterschiedliche Lebensräume für Tiere und Pflanzen.
Je nach Einsatz können unterschiedliche Holzarten und Formen verwendet werden. Dazu zählen zum Beispiel Stammhölzer, Kronenäste oder Wurzelstubben. Durch ihre Anordnung im Gewässer entstehen abwechslungsreiche Strukturen und unterschiedliche Fließgeschwindigkeiten. Auf der Maßnahmenfläche verbliebene Pappelstümpfe wurden gezielt für den Wiedereinbau genutzt und in die naturnahe Gestaltung integriert.
Durch die neue Ausformung kann sich das Gewässer langfristig wieder natürlicher entwickeln. Gleichzeitig sollen Pflegeeingriffe künftig reduziert werden, da naturnahe Gewässer viele Prozesse selbst regulieren können.
Arbeiten im Einklang mit Natur und Artenschutz
Vor Beginn der Erdarbeiten wurden notwendige Rodungs- und Rückschnittmaßnahmen durchgeführt. Diese erfolgten außerhalb sensibler Zeiten, um Konflikte mit dem Artenschutz zu vermeiden.
Im Rahmen der Maßnahme wurden außerdem bestehende Pappelbestände teilweise entfernt und durch einen Schwarzerlen-Auwald ersetzt. Dadurch entsteht langfristig ein standortgerechterer und ökologisch wertvollerer Gewässerbereich.
Ein Projekt mit langfristiger Wirkung
Die Renaturierung Schwarzbruch zeigt beispielhaft, wie Gewässerentwicklung heute gedacht wird:
Nicht als rein technische Maßnahme, sondern als langfristige Verbindung aus Wasserwirtschaft, Hochwasservorsorge und ökologischer Entwicklung.
Das Projekt schafft neue Lebensräume, verbessert die Struktur des Gewässers und stärkt gleichzeitig die natürliche Funktion des gesamten Gewässersystems.